Samstag, 29. April 2017

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Altlöhrtor: Bauarbeiten abgeschlossen - Platz nach Richard Wilke benannt

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Am heutigen Vormittag war es soweit: Mit der Verkehrsfreigabe des „Altlöhrtors“ durch Baudezernent Bert Flöck wurde die über viele Jahre andauernde Attraktivierung der Koblenzer Innenstadt weitgehend abgeschlossen.

Nach dem der Ausbau der gesamten Schloßstraße, der Löhrstraße zwischen Friedrich-Ebert-Ring und dem Münzplatz, einschließlich des Löhrrondells und der Fischelpassage, vor der Bundesgartenschau baulich realisiert und in den nachfolgenden Jahren der Zentralplatz mit seiner Umgebung (Clemensstraße, Casinostraße, Luisenstraße, wie auch die Görgenstraße und Viktoriastraße bis zu der Schloßstraße) städtebaulich und verkehrlich komplett neu hergestellt wurde, konnte nach fast genau einjähriger Bauzeit der letzte bedeutsame Baustein dieses Kapitels mit dem Um- und Ausbau des Altlöhrtors beendet werden.

Durch diese Verbindung zwischen Löhrstraße und Zentralplatz entsteht eine neue, insgesamt also noch größere Flaniermeile in unserer Stadt.

Die Oberflächengestaltung orientiert sich an den bereits realisierten Anschlussbereichen Löhrrondell, Hohenfelder Straße und Fischelpassage. Wie dort wurden auch hier die hauptsächlichen Flächen mit hochwertigem, weitgehend schmutzunempfindlichem Betonpflaster, die Randbereiche entlang der Fassaden mit Basaltkleinpflaster ausgeführt. Die Fahrbahn zur Umfahrung und Erschließung des Parkhauses ist in Asphaltbauweise hergestellt.

Im Fußgängerbereich und im Fahrgassenbereich leuchten 4 bzw. 6 Meter hohe Leuchtstelen die Straßen- und Aufenthaltsbereiche bei Nacht gut aus. Obwohl ein älterer Baum der neuen Platzgestaltung weichen musste, wurden dafür sieben neue Bäume in den Platz integriert und somit ein kleiner Beitrag zur Förderung des Stadtklimas geleistet. Im nördlichen Platzbereich wurden darüber hinaus vier Hochbeete aus Basaltlava (Sitzgelegenheit) eingebaut, die durch vier Sitzbänke, sowie Spielmöglichkeiten ergänzt wurden und damit besonders zum Verweilen in diesem Bereich einladen.
Die östliche Umfahrung erhielt eine 6,00m breite Fahrbahn. Hierdurch kann in verkehrlichen Spitzenzeiten ein Vorbeifahren an den wartenden Fahrzeugen für das Parkhaus erfolgen. Außerhalb dieser Zeiten kann dann der rechte Fahrbahnrand zum Liefern und Halten genutzt werden.

Der Geh- und Platzbereich Richtung „Galeria-Kaufhof“ und Kleinschmittsgäßchen wurde durch eine Rampen-/ Stufenkombination aus Basaltlava aufgewertet. Zur Verbesserung der Verhältnisse im Bereich der Parkhausumfahrung wurde die alte, an der westlichen Parkhausumfahrung befindliche Betonstützwand abgebrochen und durch eine neue, auch gestalterisch angepasste Bauweise ersetzt.

Zur Verdeutlichung des Verlaufes der ehemaligen Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert einschließlich der stadtseitigen Mauerpfeiler und des im 17. Jahrhundert eingebauten Viereckturmes (ehemaliges Tor) wurde von dem vorhandenen Halbrundturm ausgehend eine etwa 1 Meter breite Pflasterreihe in Grauwacke in den Platzbereich integriert.
Um die Zufahrt zum Innenhof Altlöhrtor Nr. 17 (Innenhof C&A) gewährleisten zu können, wurde der Bereich zwischen dem Parkhaus und der Görgenstraße als verkehrsberuhigter Bereich, die anschließende Verbindung zur Löhrstraße als Fußgängerzone ausgewiesen.

Dank der partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit der bauausführenden Firma Strabag, Niederlassung Lahnstein, den Versorgungsunternehmen ENM und Telekom und vor allem auch mit den anliegenden Gewerbetreibenden und Anwohnern gestaltete sich die Bauausführung weitgehend problemlos, so dass die geplanten Kosten und die vorgegebene Bauzeit eingehalten wurden. Dafür bedankt sich die Stadt ausdrücklich.

Gleichzeitig mit der Verkehrsfreigabe der Baumaßnahme erhält der neu gestaltete Platz auch einen Namen: Richard-Wilke-Platz.

Richard Wilke wurde am 18. April 1912 in Koblenz geboren. Er erlernte zunächst das Buchdruckerhandwerk und arbeitete seit 1926 bei der Görres-Druckerei in Koblenz, von 1946 bis 1963 als deren Betriebsratsvorsitzender. Von 1948 bis 1956 war er Landesvorstandsmitglied der Gewerkschaft IG Druck und Papier Rheinland-Pfalz und von 1956 bis 1959 deren zweiter Landesvorsitzender. Über zwei Jahrzehnte war er darüber hinaus Vorstandsmitglied des DGB-Kreisausschusses Koblenz-Montabaur, Mitglied des Prüfungsausschusses der IHK Koblenz und Mitglied des Kündigungsausschusses des Arbeitsamtes Koblenz; von 1958 bis 1968 Richter am Arbeitsgericht Koblenz.
Alle diese Ämter übte er ehrenamtlich aus.

Seit 1939 war Richard Wilke im Koblenzer Karneval aktiv, als Büttenredner, Elferratsmitglied und Vizepräsident des Karnevalsvereins K.K. Funken Rot-Weiß e.V. Koblenz. Als Heimatdichter verfasste er zwei Bücher: „Kowelenzer Kinkerlitzjer. Vorträge und Gedichte in mittelrheinischer Mundart“, Koblenz 1966, und „Alt Koblenz in Wort und Bild“, Koblenz 1970.

Am 20. Dezember 1972 erhielt Wilke aus der Hand von Oberbürgermeister Willi Hörter die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Richard Wilke war seit 1936 mit Margarete Wilke, geb. Scharf, verheiratet. Er starb am 23. Juli 1975.

Im Rahmen der heutigen Feierstunde am neuen Richard-Wilke-Platz informierte Baudezernent Bert Flöck über die Baumaßnahme und eröffnete den Platz offiziell. Den Namensgeber des Platzes stellte Christine Gothe, stellvertretende Landesbezirksleiterin von ver.di Rheinland-Pfalz/Saarland näher vor. Christoph Krepele, Vorsitzender des Stadtforums „Alle lieben Koblenz“, würdigte im Namen des umliegenden Handels die neue Qualität des Bereiches am Altlöhrtor und Manfred Gniffke zitierte unterhaltsam Mundart-Gedichte von Richard Wilke. An der Feierstunde nahmen auch Enkelin und Neffen Richard Wilkes teil.

Baumaßnahme in Zahlen:
- Baukosten: rund 1.700.000 €
- Förderung: Die Maßnahme wird aus dem Programm Städtebauliche Erneuerung, Programmteil Aktive Stadt- und Ortsteilzentren mit 90 v.H. sowie im Programmteil Stadtumbau mit 75 v.H. der zuwendungsfähigen Kosten gefördert.
- Bauausführende Firma: STRABAG AG, Niederlassung Lahnstein
- Hauptsächliche Bauleistungen:
Betonsteinpflaster ca. 2.700 qm
Natursteinpflaster ca. 600 qm
Asphaltflächen ca. 1.050 qm
Grünflächen ca. 150 qm
Gesamtausbaufläche: ca. 4.500 qm