Montag, 25. September 2017

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Jugendbegegnungsstätte Haus Metternich wird 40 Jahre

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In der Koblenzer Jugendszene der 70er Jahre herrschte, wie in anderen Großstädten eine gewisse Aufbruchstimmung. Selbstbestimmung u. Selbstverwaltung eigener Jugendräume lautet die zentrale Forderung. Die Koblenzer Politik u. Verwaltung reagierte darauf mit zügig anberaumten baulichen Maßnahmen im Haus Metternich. Erdgeschoss und Kelleretagen sind seit der feierlichen Eröffnung im April 1977 die offizielle kommunale Versammlungsstätte für junge Menschen aus Koblenz. Sie startete als Provisorium, denn ein neues Haus der Jugend am Hauptbahnhof (Kurt Esser Haus)war bereits in Planung.

Im Laufe der Jahrzehnte hat sich die offene Jugendarbeit im Haus Metternich mit ihren wechselnden AkteurInnen (haupt-, neben- und ehrenamtlich) zu einer wichtigen und landesweit beachteten Institution etabliert. Im Laufe der Jahre fand eine Weiterentwicklung in Richtung geschlechtsspezifischer Pädagogik statt. So wurde im Jahr 1991 auf Betreiben des AK Mädchenarbeit die Stelle einer Mädchenfachkraft geschaffen. Viele Veranstaltungen etwa die Mädchenaktionswoche, Fraueninformationsbörsen und die Einführung des Girlsdays in der Stadtverwaltung gehen auf diese Aktivitäten zurück.
Seit den 90er Jahren besteht zudem eine kontinuierliche Kooperation in medienpädagogischen Projekten mit dem Landesfilmdienst in Mainz. Ferner gehört die JBS zu den Kooperationspartnern des Koblenzer Jugendrates. Mit der gemeinsamen Gestaltung der Unterführung der Balduinbrücke konnte man eine Auszeichnung der Stiftung Brandenburger Tor erringen.
Ebenfalls in den 90er Jahren begann die Zusammenarbeit mit Music Live. Die Förderung von Rock/Pop-Musik in verschiedenen Bandprojekten und die Konzertreihe »First Steps«- für Newcomer gehören konnten etabliert werden.

Die OFFENE Jugendarbeit der Jugendbegegnungsstätte öffnet sich heute den unterschiedlichen gesellschaftlichen Lebenslagen und Lebenspositionen junger Menschen, wie sie sich hinsichtlich ihrer Diversität intersektioneller (Diskriminierungs-)Erfahrungen widerspiegeln:
• Rassismus (den Möglichkeitsraum z.B. von Interkulturalität auf Augenhöhe, d.h. Kulturalisierung reflektieren und überwinden)
• Behinderung in einem sozialen Begegnungsraum als zugehörig normalisieren (die Möglichkeit ganz normal dazu zugehören)
• Sexuelle Orientierung als Prozess jenseits normierter Einfältigkeit zu verstehen (Queer)
• Wohnungs- und Arbeitslosigkeit nicht mit einem „Selber schuld“ sondern mit Solidarität zu beantworten.

In Jugendhäusern allgemein wird anders gelehrt und gelernt: eher beiläufig, mehr motorisch und viel diskontinuierlicher wie in der Schule. Offene Jugendarbeit ist außerschulische Jugendbildung und steht in der Tradition einer Erziehung zu Mündigkeit und einer Bildung zu Kritikfähigkeit.

Statistisches
http://www.koblenz.de/r30/vc_shop/bilder/firma196/statistik_jugendbegegnungsstaette_haus_metternich.pdf