Donnerstag, 29. Juni 2017

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Kriminalstatistik 2016 für das Dienstgebiet der PI Remagen

Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2016: Deutlicher Rückgang der Straftaten bei Aufklärungsquote auf Höchstniveau - Prävention funktioniert am besten gemeinsam

Die Eckdaten

Das sind Daten, die man gerne präsentiert: Die Zahl der für das vergangene Jahr bei der PI Remagen registrierten Straftaten ist auf 4.054 gesunken. Das sind fast 400 bzw. 8,5 Prozent weniger als noch vor Jahresfrist (2015: 4.433). Damit setzt sich ein seit Jahren kontinuierlich-positiver Trend fort, der in 2011 noch bei 5.460 Straftaten seinen Anfang genommen hat.

Ebenso erfreulich bzw. positiv verstärkend ist der Umstand, dass mit dem Rückgang der Straftaten eine hohe Aufklärungsquote (AQ) einhergeht: Mit 65,6 % nach 61,6 % im Vorjahr wurde ein neuer Bestwert für Remagen erreicht. Die AQ liegt sogar noch über den bereits guten Referenzwerten des Polizeipräsidiums Koblenz (61,3) sowie auf Landesebene RLP (64,9).

Von der Polizei - neben der PI Remagen werden eine Reihe von Delikten auch bei der Kriminalinspektion Mayen bearbeitet - ermittelt werden konnten 1.935 Tatverdächtige. Etwa jeder Fünfte davon war nichtdeutscher Herkunft und bei den Geschlechtern „gewinnen“ die Herren der Schöpfung in dieser Wertung traditionell deutlich mit etwa 7 : 3 gegen die Damen.

Einzelne Deliktbereiche

Das gute Gesamtbild spiegelt sich auch in vielen Teilbereichen wieder. Gerade der für das öffentliche Sicherheitsgefühl so wichtige Indikator „Straßenkriminalität“ (= Straftaten, die sich auf öffentlichen Wegen oder Plätzen ereignen) ist von 1.069 in 2011 und 842 in 2015 auf 653 im letzten Jahr weiter gesunken.

Die Rohheitsdelikte, dahinter verbergen sich in erster Linie Körperverletzungs- und Aggressionsdelikte, haben sich in den letzten drei Jahren kaum verändert und pendeln sich auf niedrigem Niveau bei etwa 650 ein. Gerade mal 36 gefährliche Körperverletzungen haben sich im öffentlichen Raum zugetragen und weil es nur ganz selten vorkommt, dass völlig Unbekannte aneinander geraten, ist die AQ hier auch mit 94,4 % außergewöhnlich hoch.

Spielt sich der Konflikt in den eigenen vier Wänden ab, ist der Auslöser häufig in der Beziehung selbst zu suchen. Mit 177 Fällen von häuslicher Gewalt waren die Beamten der Remagener Polizei in 2016 befasst. Das sind etwa 15 bis 20 mehr als im Schnitt der Vorjahre. 122 mal kam es dabei auch zu unmittelbaren körperlichen Übergriffen, die praktisch ausnahmslos von den Männern ausgingen. Auch wenn jeder Einzelfall zu viel ist, sollte man beim Anstieg in diesem Deliktsfeld bedenken, dass das nicht zwangsläufig ein negatives Signal sein muss: Hier ist es aufgrund vielfältiger Initiativen und umfangreicher Aufklärungsarbeit in den zurückliegenden Jahren möglicherweise gelungen, tradierte Verhaltensmuster aufzubrechen und mehr Frauen dazu zu ermutigen, eben nicht mehr alles zu ertragen, sondern Anzeige gegen ihre Partner zu erstatten - Stichwort: Dunkelfeldaufhellung.

Bei den allgemeinen Diebstahlsdelikten ist ein Rückgang in etwa im Rahmen des Gesamtrückgangs zu verzeichnen. Nach 1.211 einfachen und schweren Diebstählen in 2015, sank deren Zahl in 2016 erstmals knapp unter die Tausendermarke (994).

Der Wermutstropfen

Leider hat auch die schönste Statistik eine Schattenseite. Im Bereich der PI Remagen sind das die Wohnungseinbrüche. Mit 173 Wohnungseinbrüchen registrierte die Polizei so viele Einbrüche wie seit vielen Jahren nicht mehr; in den zurückliegenden Jahren pendelte dieser Wert zwischen 110 und 165. Deutlich am härtesten getroffen hat es hier die Mitbürger aus Sinzig. In fast der Hälfte der Fälle (81) waren Bewohner der Barbarossastadt betroffen, gefolgt von den Städten Bad Breisig und Remagen mit jeweils rund 30 Einbrüchen.

Diese Entwicklung ist umso enttäuschender als gerade in 2016 landesweit aber auch in der Region vielfältige Präventionsanstrengungen unternommen und Informations- und Aufklärungskampagnen betrieben wurden - nicht nur von der Polizei, sondern auch mit Medienunterstützung, auf kommunaler Ebene bis hin zu privat getragenen Initiativen. Nicht zu vergessen die umfangreichen polizeilichen Kontroll- und Fahndungsmaßnahmen, sowohl verdeckt als auch offen.

Immerhin gibt es auch hier Anzeichen für die einsetzende Wirkung des dargestellten Maßnahmenpakets: Wurden im ersten Quartal 2016 noch 81 Wohnungseinbrüche gezählt, waren es im ersten Quartal dieses Jahres „nur“ noch 33. Das lässt doch Raum für berechtigte Hoffnung für das laufende Jahr. Positiv hat die Remagener Polizei in diesem Zusammenhang registriert, dass die Zahl der Anrufe und Meldungen über verdächtige Beobachtungen oder ungewöhnliche Begebenheiten deutlich zugenommen hat. Das spricht für eine gesteigerte Sensibilisierung in der Öffentlichkeit und versetzt die Polizei oftmals in die Lage, gezielt Personen und Fahrzeuge zu kontrollieren und so Daten zu erlangen, die sich in der Kombination mit anderen Erkenntnissen zu einem Gesamtbild fügen.

Polizei und Bürger brauchen einen langen Atem, aber das dürfte sich in Zukunft auszahlen - siehe ein paar Zeilen höher.

Tatort Internet

Die PKS ist im Wesentlichen eine Tatortstatistik. Das hängt mit ihrer Historie zusammen: Die PKS-Daten sollen ein Abbild der Kriminalität in einer Region liefern, um daraus Erkenntnisse für die vorbeugende und verfolgende Verbrechensbekämpfung zu gewinnen. Dieser unstrittig sinnvolle Denkansatz stammt aus einer Zeit, als der Täter noch körperlich am Tatort anwesend sein musste. Dass das in der „Welt 4.0“ nur noch bedingt Gültigkeit hat, lässt sich am einfachsten anhand der Entwicklung der Betrugsdelikte nachvollziehen.

Die Zahl der bei der PI Remagen in der PKS ausgewiesenen Betrugsdelikte ist im Jahr 2016 auf 905 gesunken (2015: 932, 2011: 1.364). Den Löwenanteil machen Waren- bzw. Waren-kreditbetrügereien mit 435 Taten aus. Beförderungserschleichung („Schwarz Fahren“) folgt mit 252 Delikten auf Platz zwei vor Tankbetrug mit 163 Fällen.

Das mag auf den ersten Blick erstaunen, denn so ziemlich jeder hat in seinem Bekanntenkreis jemanden, der mindestens schon einmal tatsächlich oder fast Opfer einer Betrugsmasche wurde. Das liegt daran, dass in der örtlichen PKS nur die Betrugsdelikte erfasst werden, bei denen der Täter nachweislich im Zuständigkeitsbereich der PI Remagen wohnte bzw. hier agierte.

Die Zahl der diesbezüglich Geschädigten in der Region ist allerdings weitaus höher, denn in der örtlichen PKS nicht erfasst werden die vielen Delikte, bei denen der Täter über das Internet ins Haus kommt: Möglicherweise von irgendwo in Deutschland aus (dann wird die Straftat dem ermittelten Täterwohnsitz zugeordnet), möglicherweise aber auch aus dem Ausland und manchmal lässt sich nicht einmal das zweifelsfrei klären. Anzeigen wegen ausgespähter oder missbräuchlich verwendeter Daten, virusinfizierten Computern und diverser anderer internetgestützter Delikte bereiten zwar den Menschen vor Ort Kummer und den Beamten in Remagen Arbeit, diese Daten fließen aber allenfalls in bundesweite Erhebungen des BKA ein.

Rauschgiftdelikte…

Auf diesem Deliktsfeld ist über Jahre hinweg die wenigste Veränderung festzustellen. In den letzten sechs Jahren pendelte die Zahl der Drogendelikte in einem Kanal zwischen 322 und 385 Straftaten - in 2016 waren es 344, exakt genau so viele wie in 2015. Ebenfalls über viele Jahre hinweg und wenig überraschend gilt, dass knapp die Hälfte der Drogendelikte auf Cannabis bzw. Marihuana basiert.

…und Widerstand

Es ist in den zurückliegenden Monaten vielfach Gegenstand von Medienberichten gewesen, daher sei es an dieser Stelle nur der Vollständigkeit halber aufgeführt. Die Zahl der Widerstandsdelikte gegen einschreitende Polizeibeamte ist in 2016 wieder auf 110 und damit auf das Niveau von 2011 gestiegen. Dazwischen hatte sich die Zahl dieser Straftaten auf knapp unter 90 eingependelt. Auch hier „in der Provinz“ stellen Polizeibeamte, aber auch Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst und anderen Hilfsorganisationen inzwischen eine zunehmende Rücksichtslosigkeit oder zumindest Respektlosigkeit gegenüber denjenigen fest, die eigentlich nur helfen wollen!

Fazit

Wieder einmal belegen die objektiven Zahlen, dass es sich am Rhein und im Brohltal sehr gut und sicher leben lässt - vielleicht viel sicherer als es der ein oder andere (subjektiv) empfindet. Die Gefahr droht heute weniger in dunklen Seitenstraßen oder Unterführungen, sondern der oder die Täter kommen auf vielfältigste Art über das Internet ins Haus.

Dennoch werden die Beamten der PI Remagen und der KI Mayen auch in Zukunft den Bürgern der Region mit ganz realem Rat und Tat beiseite stehen, um zu verhindern, dass sie Opfer einer Straftat werden - oder um ihnen zumindest die bestmögliche Hilfestellung zukommen zu lassen, wenn die Straftat bereits geschehen ist.

Das effektivste Hilfsmittel ist dabei aber der Bürger selbst, indem er der Polizei Verdächtiges meldet, sich als Zeuge zur Verfügung stellt, für Schwächere und Hilfsbedürftige in seinem Lebensumfeld mitdenkt oder ganz einfach ein bisschen aufmerksamer durchs reale und virtuelle Leben geht.