Dienstag, 23. Mai 2017

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Vor 75 Jahren wurden Kirchenglocken erneut für Kriegszwecke beschlagnahmt

Oberlahnsteiner Pfarrers Dekan Müller von 1927 sollte nicht lange gelten. 1942 wurden von den Nationalsozialisten auf Befehl von Reichsmarschall Hermann Göring alle Kirchenglocken außer der kleinsten beschlagnahmt. Sie sollten wie ihre Vorgänger eingeschmolzen und im Rahmen der Waffenproduktion verarbeitet werden. Stumm und verbissen, aber ohnmächtig, musste die Bevölkerung dulden, dass ihre erst 1927 feierlich eingeweihten Glocken St. Martinsglocke, St. Jakobsglocke, St. Michaelsglocke und die Ave-Maria-Glocke im März 1942 in aller Stille abgehangen und zur Sammelstelle am Braubacher Bahnhof gefahren wurden. Das Gleiche geschah mit den beiden größeren Glocken der evangelischen Kirche. Zurück blieben in der Martinuskirche die St. Margareta-Glocke und in der evangelischen Kirche die Friedensglocke mit dem mahnenden Spruch „Der Friede sei mit Euch“. Bei der Herausnahme der Glocken aus der Martinuskirche wurden auch die Schlagvorrichtung und das Triebwerk der Turmuhr mutwillig beschädigt. Niemand wagte damals zu hoffen, das einzigartige Geläut noch einmal wiederzusehen und wiederzuhören, kannte man doch das Szenario noch aus dem Ersten Weltkrieg.

Auch die Pfarrei St. Barbara in Niederlahnstein durfte nur eine Glocke behalten. Allerdings gehörten zur Pfarrei St. Barbara drei Kirchen mit insgesamt neun Glocken. Acht wurden beschlagnahmt. Gerade vier Jahre waren der jüngsten Glocke (St. Josefsglocke) im Turm der neuen St. Barbara-Kirche vergönnt, die zusammen mit den drei, 1929 gegossenen aus der alten Barbarakirche, 1939 dorthin auf- bzw. umgehängt worden waren. Nun wurden alle vier für Rüstungszwecke abgehangen, ebenso drei aus der Johanniskirche, die man im Ersten Weltkrieg erfolgreich vor der Ablieferung verteidigt hatte. Die 1900 kg schwere Johannesglocke wurde am 25. Juli 1942 regelrecht aus dem Turm herausgeworfen. Man dachte einige Strohbündel am Boden würden die Wucht des Sturzes mildern, aber sie zersprang in Stücke. Nur die älteste, um 1330 gegossene Evangelistenglocke (im Volksmund „Apolloniaglocke“), blieb von der Abgabe verschont. Die Allerheiligenbergkapelle besaß vor dem Ersten Weltkrieg drei Glocken; zwei wurden damals abgeliefert und eingeschmolzen. Die dritte war eine alte Glocke von 1583, die man im Jahr 1900 von der Kirchengemeinde Oberlahnstein käuflich erworben hatte. Sie wurde am 22. Juli 1942 für Rüstungszwecke abgegeben, ebenso das Glöcklein der Krankenhauskapelle in der Bergstraße.

Nach Kriegsende bemühten sich die Pfarreien um Auskunft über das Schicksal ihrer Glocken. Die Protestanten hatten erneut Pech: Ihre Glocken blieben verschollen und mussten durch Neuguss (1955) ersetzt werden.

Die Katholiken in Niederlahnstein bekamen nur eine Glocke im März 1948 zurück, nämlich die alte Martinsglocke von 1583. Sie hatte einen Sprung und musste umgegossen werden. Seither hängt sie wieder in der Kapelle auf dem Allerheiligenberg. Für die Barbarakirche wurden 1951 bzw. 1964 jeweils zwei neue Glocken beschafft und aufgehängt. Auch das Glöcklein der Krankenhauskapelle Bergstraße blieb verschollen und bekam aus Spenden von Freunden und Nachbarn ein neues Glöckchen.

Die Katholiken in Oberlahnstein hatten dieses Mal Glück, ihren Glocken blieb das Schicksal des Einschmelzens erspart. Auf eine langwierige Umfrage bei den verschiedensten Stellen teilte 1947 der Provinzialkonservator von Schleswig-Holstein mit, dass drei Glocken von Oberlahnstein auf einem Sammellager in Hamburg-Altona gefunden wurden, wohin sie im Mai 1942 auf Wartestellung abgestellt worden waren. Per Schiff wurden sie nun vom Hamburger Hafen über Holland nach Koblenz gebracht. Im Koblenzer Moselhafen wurden sie von der Firma Otto Kaiser abgeholt und zur Kirmes 1947 feierlich in Lahnstein begrüßt. Pfarrer Paul Hergenhahn segnete die Glocken und sprach mit bewegter Stimme: „Mit der Heimkehr dieser Glocken schließt nun wieder eine Wunde in unserer Gemeinde“.

Die größte Glocke der Martinuskirche, die St. Martin-Glocke, wurde von einem Privatmann namens Carl Kirchner aus Leimbach im Südharz auf einem Lagerplatz in Hettstedt/ Harz entdeckt Sein Brief an den Kirchenvorstand traf am 11.6.1946 in Oberlahnstein ein. Der Lagerplatz befand sich in der sowjetischen Besatzungszone und es erschien aussichtlos, sie von dort in die Westzonen zu überführen. Nach dreijähriger Verhandlungszeit gelang es den Behörden, die Glocke im Zuge eines Austauschs über Düsseldorf in den Westen zu bekommen. Zur Kirmes 1949 war es dann endlich soweit. Ein mit vier Pferden bespannter Wagen brachte die mit Girlanden geschmückte 5,7 Tonnen schwere Glocke zum Kirchenvorplatz, wo sie von der Geistlichkeit, den Fahnenträgern und einer tausendköpfigen Menge empfangen wurde. Der Kirchenchor sang „Die Himmel rühmen“, Pfarrer Paul Hergenhahn segnete die Glocke, mit dem Wunsch, dass sie „nur noch die Stunden des Friedens mit ihrer ehernen Stimme einläuten möge“. In der folgenden Woche wurde sie von den Firmen Kaiser und Schnaß im Südturm wieder aufgehängt. Bereits am 24. September 1949 erklang ihr Läuten aus dem noch offenen Glockenstuhl. Sie ist bis heute die größte Glocke zwischen Köln und Mainz.

Foto 1 zeigt die Glocken der kath. Kirche St. Martin beim Abtransport 1942 (Foto Karl Pott)

Foto 2: Feierlicher Empfang anlässlich der Rückkehr 1947 (Slg. Stadtarchiv Lahnstein)

Foto 3: Einbau der großen Martinsglocke 1949 (Slg. Stadtarchiv Lahnstein)

Sonderpreis „Kultur öffnet Welten“

„Tufa Trier“ für Flüchtlingsprojekt ausgezeichnet

Gute Chancen, den Sonderpreis „Kultur öffnet Welten“ der Bundesregierung in diesem Jahr zu erhalten, hat eine Musiktheater-Inszenierung der Tufa Trier. Sie ist eines von zehn Projekten, die die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien Monika Grütters für die Vergabe eines Sonderpreises nominiert hat. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert, 2.500 Euro sind bereits mit der Nominierung verbunden.

Kulturminister Konrad Wolf beglückwünschte die Macherinnen und Macher heute zu diesem Erfolg. „Sie zeigen auf beeindruckende Weise, dass gerade mit den Mitteln der Kunst und Kultur gesellschaftliche Integration in vielen deutschen Städten und Gemeinden gelingt.“

Das Kulturministerium hatte dieses Projekt im vergangenen Jahr mit 4.500 Euro gefördert. Auch in diesem Jahr werden wieder zahlreiche Flüchtlingsprojekte mit insgesamt 50.000 Euro in Rheinland-Pfalz vom Land gefördert.

Der Preis „Kultur öffnet Welten“ wird 2017 zum zweiten Mal vergeben und honoriert neue Formen der Zusammenarbeit kultureller Akteure mit Partnern aus Sport, Wirtschaft, religiösen Gemeinschaften oder der Zivilgesellschaft. Aus zahlreichen Vorschlägen hat eine Fachjury zehn Ideen ausgewählt, die Künstlerinnen und Kreative aus ganz Deutschland umgesetzt haben.

Die Gewinner werden am 26. April im Düsseldorfer Schauspielhaus bekanntgegeben.

90. Geburtstag

Ministerpräsidentin Malu Dreyer gratuliert Martin Walser

Ministerpräsidentin Malu Dreyer gratuliert dem Schriftsteller Martin Walser zu seinem 90. Geburtstag am 24. März. Sie würdigt den Träger der Carl-Zuckmayer-Medaille als scharfsinnigen Beobachter und brillanten Erzähler, der die Lebenswirklichkeiten im Nachkriegsdeutschland beschrieben und kommentiert hat. „Als Verfasser zahlreicher Romane, Erzählungen, Hörspiele und Theaterstücke gehört Martin Walser zu den wichtigsten deutschen Autoren. Er hat die Themen der Zeit aufgegriffen und ist gleichzeitig in seiner Heimat am Bodensee tief verwurzelt geblieben“, so die Ministerpräsidentin. Ihm seien die Menschen und die Landschaft immer gleichermaßen wichtig. „Als streitbarer, kluger Geist, der auch unbequeme Positionen nicht scheut, ist sich Martin Walser treu geblieben. Ich bin froh darüber, ihn in der Riege der Zuckmayer-Preisträger zu wissen“, sagt Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Sie wünscht ihm in ihrem Glückwunschschreiben Gesundheit und persönliches Wohlergeben.

Für seine Verdienste um die deutsche Sprache wurde Martin Walser 1990 mit der Carl-Zuckmayer-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet.

Der Frühling muss geboren werden – Gedanken zu einer Jahreszeit

Von Hans-Peter Meyer

Krokusse – Frühlingsboten der Natur

Von den Gezeiten des Jahres wird von den meisten Mitmenschen der Übergang vom Winter zum Frühling am stärksten empfunden. Ist er einmal da, der Frühling, wächst das Jahr organisch weiter; die Nahtstellen der übrigen Jahreszeiten sind kaum wahrnehmbar. Der Frühling aber muß geboren werden – oft  unter Schneeschauern, allerdings war es in diesem Jahr ein eher milder Winter.

Das Wunder der Wandlung von der grauen zur grünenden Flur erregt uns jedes Jahr wieder Die Frühlingssehnsucht ist umso ungestümer, je später der Winter zum Endspurt angesetzt und je zäher er sich gehalten hat. Junge Menschen nehmen den Frühling zumeist als etwas Selbstverständliches – wie etwas, das sie fordern können, das ihnen zusteht. Menschen im Herbst des Lebens freuen sich seiner eher gedämpft. Eine leise Wehmut befällt sie bei dem Gedanken, dass der größte Teil der Erdenlenze schon hinter ihnen liegt; sie schwelgen in der Erinnerung an entschwundenes Frühlingsglück, während die Jungen nur den Augenblick genießen.

Jeder hat sein erstes kleines Frühlingserlebnis: Den Augenblick nämlich, da ihm bewusst wird, dass etwas Neues in der Luft liegt. Das kann vor dem 20. März liegen – die beseelte Natur richtet sich nicht pedantisch nach dem Abreißkalender.

Für den einen ist es ein erstes Amsellied, für den anderen der erste blühende Krokus im Vorgarten. Es kann auch ein Frauen- oder Kinderlachen sein, das uns unterwegs zufliegt, ein nettes, ein gutes Wort.

Auch das bevorstehende Osterfest ist nach Überlieferungen ein altgermanisches Frühlingsfest.

In den Läden werden schon seit Wochen Schokoladenhasen und bunt gefärbte Eier angeboten, aber Ostern ist mehr als eine gewöhnliche Tradition.

Darin steckt die „Oster“-Botschaft Gottes an alle Menschen, die voller Hoffnung, Freude und Zukunft ist: Jesus Christus ist auferstanden – er lebt.

Denn die Auferstehung ist eine Zentralbotschaft der Bibel und soll uns im Frühling Zuversicht vermitteln.

Plötzlich merken wir: Alles ist anders geworden. Dann ist es nicht nur sicht- und hörbar in der Natur, sondern auch in unseren Herzen ist Frühling geworden.

Im Zeitalter von Computer, Produktion und Konsum, da Blumenläden das liebe lange Jahr hindurch ihre fast verwirrende Fülle und Pracht ausbreiten, haben viele verlernt, welche Freude es machen kann, auf einem Spaziergang die erste Anemone, das erste Veilchen zu entdecken. Wer darin noch jenes kleine Wunder sieht, darf sich glücklich preisen.

Merkwürdig: Jahr für Jahr vollzieht sich das Werden des neuen Frühlings.

Und wir haben doch niemals das Gefühl, dass sich dabei etwas „wiederholt“, so ursprünglich und jedes Mal neu erleben wir die Premiere dieses Wunders auf jener Bühne, über der – unsichtbar, doch spürbar – eine höhere, größere Macht waltet.

Ludwig Uhland formuliert es in „Frühlingsglaube“ folgendermaßen:

„Die linden Lüfte sind erwacht,
Sie säuseln und weben Tag und Nacht,
Sie schaffen an allen Enden.
O frischer Duft, o neuer Klang!
Nun, armes Herze, sei nicht bang!
Nun muss sich alles, alles wenden.
Die Welt wird schöner mit jedem Tag,
Man weiß nicht, was noch werden mag,
Das Blühen will nicht enden.
Es blüht das fernste, tiefste Tal:
Nun, armes Herz, vergiss der Qual!
Nun muß sich alles, alles wenden!“.

Und das vielleicht berühmteste Gedicht über den Frühling stammt von Eduard Mörike:“

„Frühling läßt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen
Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist's!
Dich hab ich vernommen!“   

© Hans-Peter Meyer

 

 

Passionskonzerte der Montabaurer Kantorei

ALSBACH / MONTABAUR. Die Leidensgeschichte Jesu nach dem Evangelisten Johannes – das ist der Mittelpunkt der traditionellen zwei Chor- und Orchesterkonzerte zur Karwoche mit der Montabaurer Kantorei, der Cappella Taboris und einem Streichquintett. Dabei erklingt der ergreifende Passionsbericht in einer Vertonung von Alessandro Scarlatti (1660 – 1725), ergänzt durch die Choräle der Johannespassion von Johann Sebastian Bach (1685 – 1750), so daß zwei barocke Werke in Bezug zueinander treten. Eröffnet werden die Konzerte durch einen Variationszyklus über das Passionslied „Sei gegrüßet, Jesu gütig“ aus der Feder des Thomaskantors Johann Sebastian Bach.

Das Konzert findet statt am Dienstag, 11.04. um 20 Uhr in der evangelischen Nicolaikirche an der Hauptstraße 11 in 56237 Alsbach und am Karfreitag, 14.04. um 15.00 Uhr in der evangelischen Lutherkirche an der Martin-Luther-Straße 1 in 56410 Montabaur. Der Eintritt ist frei, die Gesamtleitung liegt in den Händen von Dekanatskantor Jens Schawaller.

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