Montag, 21. August 2017

Letztes Update:05:21:31 PM GMT

region-rhein.de

RSS

Auszeichnung Debüt 2017

Literaturwerk Rheinland-Pfalz-Saar und Schriftstellerverband Saarland (VS) prämieren Literarisches Debüt 2017
Der Literaturpreis Debüt des Jahres 2017 geht in diesem Jahr an den Autor Michael Sieben, Berlin, für seinen 2016 im Carlsen-Verlag erschienenen Jugendroman Ponderosa.

Ponderosa - so nennen Kris, Josie und Juri die verlassene Hütte am Rand der Siedlung. Hier, an diesem geheimen Ort, treffen sie sich, rauchen, reden miteinander. Eigentlich verstehen sie sich gut, bis sie versuchen, Josis verschwundenen Nachbarn zu finden und damit Ereignisse ins Rollen bringen, die alles verändern.

Beginnend mit einer rätselhaften Szene wird auf 217 Seiten eine spannende Geschichte um den Protagonisten Kris erzählt, die die Probleme des Erwachsenwerdens und des sich selbst Findens, von Freundschaft und erster Liebe in jugendaffiner Weise aufgreift. Bis zum Showdown wird in parallel geführten Handlungssträngen eine packende Teenager-Geschichte geschildert, deren Sprachelemente mal jugendlich schnoddrig-trotzig daherkommen, dann wieder sensibel-zart, die zudem Schauerelemente einbindet und bei allem eine nuancierte, authentische Figurenzeichnung aufweist.

Damit ist das Buch für die Jury des Literaturwerks Rheinland-Pfalz-Saar und des Schriftstellerverbands Saarland (VS) unter allen 22 Einsendungen das Werk, das am meisten überzeugte. Die glaubhafte Charakterisierung jugendlicher Lebenswelten, die lebhaften Dialoge und die Stilsicherheit der Geschichte fielen positiv auf. Ein guter Lesestoff für Jugendliche, der auch die eher als Lesemuffel bekannten Jungs begeistern könnte.

Der Autor Michael Sieben wurde 1977 in Mainz geboren und studierte Wirtschaftswissenschaften in Mainz, Köln und Paris. Seit 2006 lebt er mit seiner Familie in Berlin. 2011 war er unter den Finalisten des Open Mike Wettbewerbs. „Ponderosa“ ist seine erste Buchveröffentlichung.

Der Jury gehörten an: die Autorin Alena Wagnerova (Saarbrücken), die Autorin und 1. Vorsitzende des Literaturwerks Rheinland-Pfalz Saar, Brigitta-Dewald-Koch (Mainz), der Kulturreferent im rheinland-pfälzischen Kultusministerium Michael Au (Mainz), die Kulturjournalistin Andrea Dittgen (Saarbrücken) und das Vorstandsmitglied des Literaturbüros Mainz und Autor Dietmar Gaumann (Mainz).
Mit der Auszeichnung ist ein Preisgeld in Höhe von 1.000 Euro verbunden sowie drei Lesungen in verschiedenen Städten in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Die Lesetermine sind demnächst auf der Webseite des Literaturwerks (www.literaturwerk.net) und des VS (vs-saar.de) nachzulesen.

SCHNITTmengeMENSCH – Werke von Ulla Schiffer bei der Stommel Stiftung

Was passiert, wenn eine Chirurgin ohne OP-Team, ohne Narkose und ohne OP-Handschuhe drauflosschneidet? Bei Ulla Schiffer kommen dann Papierschnitte heraus, und zwar nach allen Regeln der Kunst. Ulla Schiffer ist nämlich neben ihrer hauptberuflichen ärztlichen Tätigkeit auch leidenschaftlich als Künstlerin tätig. Ihre Werke werden derzeit in den Räumen der Stommel Stiftung in Urbar ausgestellt. Am Sonntag, den 26.03. fand die Vernissage statt, bei der sich die Besucher mit einem Glas Sekt einen ersten Eindruck verschaffen konnten.

Die Werke von Ulla Schiffer sind thematisch vielfältig: Motive aus dem literarischen Bereich finden sich ebenso wie Szenen aus dem Alltag, stimmungsvolle Märchenszenen oder Karikaturen. Auch Comicepisoden, die auf sympathisch heitere Weise die kleinen Tücken des Lebens aufgreifen, zählen zu den Exponaten. Ganz nebenbei konnten die Besucher erfahren, wie es zu einer solchen nebenberuflichen Tätigkeit kommt: Anwesend war nämlich auch die Schwester der Künstlerin, Ortsbürgermeisterin Karin Küsel - Ferber, die stimmungsvoll aus gemeinsamen Jugendzeiten plauderte und einen kleinen Einblick in die künstlerische Entwicklung von Ulla Schiffer gewährte.

Musikalisch ergänzt wurde die Vernissage vom Gitarrenduo Till Ferber und Marius Engel.

Die Werke können auch käuflich erworben werden. Weitere Termine zur Besichtigung der Ausstellung werden demnächst veröffentlicht.

Vor 75 Jahren wurden Kirchenglocken erneut für Kriegszwecke beschlagnahmt

Oberlahnsteiner Pfarrers Dekan Müller von 1927 sollte nicht lange gelten. 1942 wurden von den Nationalsozialisten auf Befehl von Reichsmarschall Hermann Göring alle Kirchenglocken außer der kleinsten beschlagnahmt. Sie sollten wie ihre Vorgänger eingeschmolzen und im Rahmen der Waffenproduktion verarbeitet werden. Stumm und verbissen, aber ohnmächtig, musste die Bevölkerung dulden, dass ihre erst 1927 feierlich eingeweihten Glocken St. Martinsglocke, St. Jakobsglocke, St. Michaelsglocke und die Ave-Maria-Glocke im März 1942 in aller Stille abgehangen und zur Sammelstelle am Braubacher Bahnhof gefahren wurden. Das Gleiche geschah mit den beiden größeren Glocken der evangelischen Kirche. Zurück blieben in der Martinuskirche die St. Margareta-Glocke und in der evangelischen Kirche die Friedensglocke mit dem mahnenden Spruch „Der Friede sei mit Euch“. Bei der Herausnahme der Glocken aus der Martinuskirche wurden auch die Schlagvorrichtung und das Triebwerk der Turmuhr mutwillig beschädigt. Niemand wagte damals zu hoffen, das einzigartige Geläut noch einmal wiederzusehen und wiederzuhören, kannte man doch das Szenario noch aus dem Ersten Weltkrieg.

Auch die Pfarrei St. Barbara in Niederlahnstein durfte nur eine Glocke behalten. Allerdings gehörten zur Pfarrei St. Barbara drei Kirchen mit insgesamt neun Glocken. Acht wurden beschlagnahmt. Gerade vier Jahre waren der jüngsten Glocke (St. Josefsglocke) im Turm der neuen St. Barbara-Kirche vergönnt, die zusammen mit den drei, 1929 gegossenen aus der alten Barbarakirche, 1939 dorthin auf- bzw. umgehängt worden waren. Nun wurden alle vier für Rüstungszwecke abgehangen, ebenso drei aus der Johanniskirche, die man im Ersten Weltkrieg erfolgreich vor der Ablieferung verteidigt hatte. Die 1900 kg schwere Johannesglocke wurde am 25. Juli 1942 regelrecht aus dem Turm herausgeworfen. Man dachte einige Strohbündel am Boden würden die Wucht des Sturzes mildern, aber sie zersprang in Stücke. Nur die älteste, um 1330 gegossene Evangelistenglocke (im Volksmund „Apolloniaglocke“), blieb von der Abgabe verschont. Die Allerheiligenbergkapelle besaß vor dem Ersten Weltkrieg drei Glocken; zwei wurden damals abgeliefert und eingeschmolzen. Die dritte war eine alte Glocke von 1583, die man im Jahr 1900 von der Kirchengemeinde Oberlahnstein käuflich erworben hatte. Sie wurde am 22. Juli 1942 für Rüstungszwecke abgegeben, ebenso das Glöcklein der Krankenhauskapelle in der Bergstraße.

Nach Kriegsende bemühten sich die Pfarreien um Auskunft über das Schicksal ihrer Glocken. Die Protestanten hatten erneut Pech: Ihre Glocken blieben verschollen und mussten durch Neuguss (1955) ersetzt werden.

Die Katholiken in Niederlahnstein bekamen nur eine Glocke im März 1948 zurück, nämlich die alte Martinsglocke von 1583. Sie hatte einen Sprung und musste umgegossen werden. Seither hängt sie wieder in der Kapelle auf dem Allerheiligenberg. Für die Barbarakirche wurden 1951 bzw. 1964 jeweils zwei neue Glocken beschafft und aufgehängt. Auch das Glöcklein der Krankenhauskapelle Bergstraße blieb verschollen und bekam aus Spenden von Freunden und Nachbarn ein neues Glöckchen.

Die Katholiken in Oberlahnstein hatten dieses Mal Glück, ihren Glocken blieb das Schicksal des Einschmelzens erspart. Auf eine langwierige Umfrage bei den verschiedensten Stellen teilte 1947 der Provinzialkonservator von Schleswig-Holstein mit, dass drei Glocken von Oberlahnstein auf einem Sammellager in Hamburg-Altona gefunden wurden, wohin sie im Mai 1942 auf Wartestellung abgestellt worden waren. Per Schiff wurden sie nun vom Hamburger Hafen über Holland nach Koblenz gebracht. Im Koblenzer Moselhafen wurden sie von der Firma Otto Kaiser abgeholt und zur Kirmes 1947 feierlich in Lahnstein begrüßt. Pfarrer Paul Hergenhahn segnete die Glocken und sprach mit bewegter Stimme: „Mit der Heimkehr dieser Glocken schließt nun wieder eine Wunde in unserer Gemeinde“.

Die größte Glocke der Martinuskirche, die St. Martin-Glocke, wurde von einem Privatmann namens Carl Kirchner aus Leimbach im Südharz auf einem Lagerplatz in Hettstedt/ Harz entdeckt Sein Brief an den Kirchenvorstand traf am 11.6.1946 in Oberlahnstein ein. Der Lagerplatz befand sich in der sowjetischen Besatzungszone und es erschien aussichtlos, sie von dort in die Westzonen zu überführen. Nach dreijähriger Verhandlungszeit gelang es den Behörden, die Glocke im Zuge eines Austauschs über Düsseldorf in den Westen zu bekommen. Zur Kirmes 1949 war es dann endlich soweit. Ein mit vier Pferden bespannter Wagen brachte die mit Girlanden geschmückte 5,7 Tonnen schwere Glocke zum Kirchenvorplatz, wo sie von der Geistlichkeit, den Fahnenträgern und einer tausendköpfigen Menge empfangen wurde. Der Kirchenchor sang „Die Himmel rühmen“, Pfarrer Paul Hergenhahn segnete die Glocke, mit dem Wunsch, dass sie „nur noch die Stunden des Friedens mit ihrer ehernen Stimme einläuten möge“. In der folgenden Woche wurde sie von den Firmen Kaiser und Schnaß im Südturm wieder aufgehängt. Bereits am 24. September 1949 erklang ihr Läuten aus dem noch offenen Glockenstuhl. Sie ist bis heute die größte Glocke zwischen Köln und Mainz.

Foto 1 zeigt die Glocken der kath. Kirche St. Martin beim Abtransport 1942 (Foto Karl Pott)

Foto 2: Feierlicher Empfang anlässlich der Rückkehr 1947 (Slg. Stadtarchiv Lahnstein)

Foto 3: Einbau der großen Martinsglocke 1949 (Slg. Stadtarchiv Lahnstein)

Sonderpreis „Kultur öffnet Welten“

„Tufa Trier“ für Flüchtlingsprojekt ausgezeichnet

Gute Chancen, den Sonderpreis „Kultur öffnet Welten“ der Bundesregierung in diesem Jahr zu erhalten, hat eine Musiktheater-Inszenierung der Tufa Trier. Sie ist eines von zehn Projekten, die die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien Monika Grütters für die Vergabe eines Sonderpreises nominiert hat. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert, 2.500 Euro sind bereits mit der Nominierung verbunden.

Kulturminister Konrad Wolf beglückwünschte die Macherinnen und Macher heute zu diesem Erfolg. „Sie zeigen auf beeindruckende Weise, dass gerade mit den Mitteln der Kunst und Kultur gesellschaftliche Integration in vielen deutschen Städten und Gemeinden gelingt.“

Das Kulturministerium hatte dieses Projekt im vergangenen Jahr mit 4.500 Euro gefördert. Auch in diesem Jahr werden wieder zahlreiche Flüchtlingsprojekte mit insgesamt 50.000 Euro in Rheinland-Pfalz vom Land gefördert.

Der Preis „Kultur öffnet Welten“ wird 2017 zum zweiten Mal vergeben und honoriert neue Formen der Zusammenarbeit kultureller Akteure mit Partnern aus Sport, Wirtschaft, religiösen Gemeinschaften oder der Zivilgesellschaft. Aus zahlreichen Vorschlägen hat eine Fachjury zehn Ideen ausgewählt, die Künstlerinnen und Kreative aus ganz Deutschland umgesetzt haben.

Die Gewinner werden am 26. April im Düsseldorfer Schauspielhaus bekanntgegeben.

90. Geburtstag

Ministerpräsidentin Malu Dreyer gratuliert Martin Walser

Ministerpräsidentin Malu Dreyer gratuliert dem Schriftsteller Martin Walser zu seinem 90. Geburtstag am 24. März. Sie würdigt den Träger der Carl-Zuckmayer-Medaille als scharfsinnigen Beobachter und brillanten Erzähler, der die Lebenswirklichkeiten im Nachkriegsdeutschland beschrieben und kommentiert hat. „Als Verfasser zahlreicher Romane, Erzählungen, Hörspiele und Theaterstücke gehört Martin Walser zu den wichtigsten deutschen Autoren. Er hat die Themen der Zeit aufgegriffen und ist gleichzeitig in seiner Heimat am Bodensee tief verwurzelt geblieben“, so die Ministerpräsidentin. Ihm seien die Menschen und die Landschaft immer gleichermaßen wichtig. „Als streitbarer, kluger Geist, der auch unbequeme Positionen nicht scheut, ist sich Martin Walser treu geblieben. Ich bin froh darüber, ihn in der Riege der Zuckmayer-Preisträger zu wissen“, sagt Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Sie wünscht ihm in ihrem Glückwunschschreiben Gesundheit und persönliches Wohlergeben.

Für seine Verdienste um die deutsche Sprache wurde Martin Walser 1990 mit der Carl-Zuckmayer-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet.

JPAGE_CURRENT_OF_TOTAL