Dienstag, 17. Oktober 2017

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Ermittlungsverfahren wegen Identitätsdiebstahls und Carding (Kreditkartenmissbrauchs) im Internet

Generalstaatsanwaltschaft Koblenz (Landeszentralstelle Cybercrime) nimmt 19 jährigen aus Landstuhl in Untersuchungshaft

In einem von der Landeszentralstelle Cybercrime der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz und dem Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz geführten Verfahren wurde am Donnerstag letzter Woche ein 19jähriger Mann in Landstuhl festgenommen. Ihm werden zahlreiche Computerstraftaten vorgeworfen, welche er im Zeitraum von Herbst 2015 bis Frühjahr 2017 begangen haben soll. Er steht in dringendem Verdacht, sich über das Internet zumindest 12 gefälschte Ausweispapiere verschiedener europäischer Staaten beschafft zu haben. Unter Verwendung der Falschpersonalien eröffnete er bei verschiedenen Online-Banken über 20 Konten, welche er im Netz entweder zur illegalen Verwendung an Dritte weiterverkaufte oder selbst nutzte, um darüber Gelder aus weiteren von ihm über das Internet begangener Straftaten fließen zu lassen.

So bot er etwa nicht vorhandene Waren an, deren Käufer ihm den Kaufpreis überwiesen, die Ware indes nie erhielten. Hierbei trat er unter Personalien anderer, tatsächlich existierender Personen auf. Solche hatte sich der Beschuldigte zuvor aus derzeit noch nicht näher ermittelten Quellen aus dem Internet beschafft. In einem Fall war es ihm gelungen, eine bestehende Internetseite so zu manipulieren, dass Kundengelder auf von ihm eingerichtete Konten geleitet wurden.

Ferner wird dem Tatverdächtigen sogenanntes „Carding“ vorgeworfen. Hierbei handelt es sich um Einkäufe bei Online Handelsplattformen unter Verwendung fremder Kreditkartendaten. Dabei werden in der Regel -zuvor über das Internet illegal erlangte- Kreditkartendaten dritter Personen zur Zahlung der bestellten Waren beim Bestellvorgang eingegeben. Die Bestellung selbst erfolgt unter falschem Namen und Anschrift, häufig an eine hierfür eingerichtete Stelle für die verdeckte Paketannahme

Bei der Durchsuchung beim Beschuldigten konnten neben verschiedener von ihm bestellter Waren wie Gold, Schmuck und elektronischer Geräte auch ein Speicherstick mit ca. 140 Bankdatensätzen unbeteiligter Dritter sichergestellt werden.

Darüber hinaus werden dem jungen Mann Betäubungsmittelstraftaten und ein Tankstellenüberfall in Bayern zur Last gelegt.

Der verursachte Schaden liegt nach derzeitiger Schätzung bei über 50.000 Euro. Der Beschuldigte befindet sich in Untersuchungshaft. Die Ermittlungen dauern an.

Hintergrund:

Die Landeszentralstelle Cybercrime (LZC) ist am 01.10.2014 bei der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz eingerichtet worden. Die Zentralstelle zieht Ermittlungen aus dem Bereich der Internetkriminalität des gesamten Landes dann an sich, wenn es sich entweder um Verfahren von besonderer Bedeutung, besondere Schwierigkeit und/oder von besonderem Umfang handelt